Katzillion: Ein Besuch bei Kitty Ford

Ein Drogenskandal erschüttert aktuell die deutsche Politik. Doch nicht nur Menschen sind in Gefahr einer Sucht, wie dieser Besuch in der berühmtesten Entzugsklinik für Tiere beweist.

Fiona geht mit festen Schritten auf das große Gebäude zu, das vor ihr liegt. 
Hinter ihr eine säuberlich gerächte Kiesauffahrt, vor ihr die herrschaftliche Klinik, umgeben von einem weitläufigen Park. 
Sie atmet tief durch und lächelt uns nervös an. “Ja, da sind wir dann wohl.” Sie nimmt noch zwei Krümel Trockenfutter aus der Transportbox, die letzten für lange Zeit. Sobald sie durch diese Tür gehen wird, wird ihre Tasche durchsucht und jeder letzte Rest konfisziert. 

  
Denn Fiona checkt in die Kitty Ford Klinik ein. 
Die Kitty Ford Klinik ist seit Jahrzehnten eine Institution auf ihrem Gebiet. 
Oft in der Presse durch Promi-Skandale genannt, ist sie mittlerweile fast jedem ein Begriff. Egal ob es um die Whiskas Katze geht, die nach zehn Jahren Werbung in tiefe Depressionen verfiel, da ihr Leben nie so glücklich war wie es auf dem Bildschirm schien und die versuchte sich mit einer Spielangel zu erhängen oder um den Quelle Hund, der vor den Drehs seine Ballfixierung in den Griff bekommen musste – Kitty Ford kennt sie alle. 

  
Denn Kitty Ford war selbst mal eine von ihnen: Nach zwanzig Jahren Sheba Werbung hat sie ihre Petersiliensucht fast an den Rande der Selbstzerstörung gebracht. 

“Es beginnt ganz langsam, man bemerkt es kaum. Erst freust du dich auf das Blättchen, dann ist es das Erste, an das du nach dem Aufwachen denkst. Aus dem Blättchen wird ein Sträußchen und aus dem Sträußchen irgendwann ein ganzer Berg Petersilie, unter dem das Futter kaum noch zu erkennen ist. Ich habe mich eine zeitlang fast ausschließlich vegan von Petersilie ernährt und Fleisch völlig vergessen. Die Folgen waren verheerend. Doch die Produktion und mein Management haben mitgespielt – das wichtige ist, dass du die 30 Sekunden vor der Kamera funktionierst. Dafür werden auch Fellextensions und Haarspray in Kauf genommen, solange man den Verfall kaschieren kann, ist alles ok. Doch der Fall kommt, wenn dich ein süßes, jüngeres Kätzchen ersetzt und niemand mehr da ist um dich aufzufangen.”
Heute hilft Kitty anderen, denen es ähnlich ging. 

  
In der Kitty Ford Klinik sind alle gleich, niemand bekommt Extrawürste. Vor allem wegen der Hunde, die an Wurstschnapp-Traumata leiden. 

Der große Park steht allen zum Spielen zur Verfügung, jedes Tier hat ein geräumiges Einzelzimmer mit Bett, Sandbad und Bentonitklo und einem Aquarium, das einen Fernseher ersetzen soll – ohne die schädlichen Einfluss der Außenwelt. 
“Wir haben viele verschiedene Suchtkrankheiten hier, schlimm sind sie alle. Laserpointer sind bei den Katzen schon lange ein großes Thema und der Entzug ist hart, da jedes flackernde Licht wie ein Trigger wirkt.”

Besonders enervierend seien Hunde, die sich zwanghaft die Eier lecken und in jeder Sitzung “Weil ich’s kann!” rufen, meint Kitty. 

  
Aber auch Patienten wie Fiona, die vor einem Trockenfutterentzug stehen, sind keine Seltenheit. 
“Davon haben wir in der Tat sehr viele. Lange Zeit war industrielle Nahrung das Nonplusultra, jetzt springen viele Menschen auf den “Healty&Clean” Zug mit auf und bemerken erst jetzt, dass ihre Tiere seit Jahren von einem Schuss zum nächsten leben.”
Doch wie steht es mit Katzenminze, dem legalen Rauschmittel für Minitiger? Davon haben wir hier bisher nichts gehört. 

  
“Katzenminze? Ahahaha!” Kitty winkt lachend ab. “Ganz ehrlich, was soll an Katzenminze schon schlimm sein! Sie müssen sich das so vorstellen, als würden Menschen Cannabis in einem Atemzug mit Meth nennen und gleich behandeln – und auf diese Idee würde ja niemand kommen.”

Nun, ja. 
Wir wünschen Fiona für ihre Trockenfutterentgiftung viel Glück und bedanken uns bei Kitty Ford für diesen Einblick in ihre Klinik!